Eine Frau steht mit ausgestreckten Armen auf dem Giebel ihres Hauses und genießt die Sonne & Aussicht. Rechts und links von ihr befinden sich Solarpanelen.

UX Design für die Energiewende

Esther Barra Lead Communication Manager

Stefan Kiefer Lead UX Designer, Team Manager

18.03.2025 • 5 Minuten Lesezeit

Die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit und erfordert einen grundlegenden Wandel von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen. Während technologische Fortschritte bei intelligenten Netzen, dezentraler Energieerzeugung und Energiespeicherung von entscheidender Bedeutung sind, spielt gutes User Experience (UX) Design eine ebenso wichtige Rolle. Diese Innovationen entfalten ihr volles Potenzial nur, wenn sie auch benutzerfreundlich sind.

Denn letztendlich muss der Mensch verstehen, wie die einzelnen Systeme zusammenhängen, funktionieren und welche Auswirkungen seine Aktionen haben. UX Design sorgt dafür, dass Energieversorger und ihre Kunden diese neuen Systeme  effektiv, effizient und intuitiv nutzen können.Nachdem wir die UX-Herausforderungen betrachtet haben, beleuchten wir die wichtigsten Stakeholder und ihre Bedürfnisse.

Herausforderungen und Potenziale aus UX-Sicht

1. Wachstum der erneuerbaren Energien

Im Jahr 2024 machten erneuerbare Energiequellen fast 60 % der weltweiten Energieerzeugung aus, ein rekordverdächtiger Meilenstein. Dieses Wachstum wird durch Fortschritte in der Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie durch erhöhte Investitionen in Energiespeicherlösungen wie Batterien und Wasserstofftechnologie angetrieben.

Der Aufstieg der erneuerbaren Energien führt zu Volatilität in der Energieversorgung, da die Solar- und Windproduktion, je nach Wetterbedingungen, schwankt. Dort setzt dann eine effektive Integration fortschrittlicher Energiespeicher- und intelligenter Nachfragesteuerungssysteme an, um Schwankungen auszugleichen.

Die Herausforderung liegt dann in der mensch-zentrierten und intuitiven Gestaltung von Systemen, um Echtzeit-Einblicke sowohl für Energieversorger als auch Verbraucher:innen zu ermöglichen und schwankende Energieverfügbarkeit zu kompensieren.

Wasserstoff spielt eine Schlüsselrolle in der Energiewende. Beim Projekt WAVE-H2 entwickelte Ergosign eine digitale Plattform, die komplexe Wasserstoffprozesse visuell zugänglich macht. WAVE-H2 soll sich als entscheidendes Werkzeug für die Energieversorgung der Fabrik der Zukunft etablieren und die Industrie auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft begleiten.

2. Energie- und Lastmanagement benutzerfreundlich gestalten

Ein effizientes Energiemanagement ist entscheidend für die Balance zwischen Angebot und Nachfrage, die Reduzierung von Verschwendung und die Sicherstellung der Netzstabilität. Intelligente Zähler und intelligente Netze sind dabei zu unverzichtbaren Werkzeugen geworden. Sie liefern riesige Mengen an Echtzeitdaten – doch viele Nutzende haben Schwierigkeiten, diese Informationen zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Eine intuitive User Experience kann hier den Unterschied machen.

  • Intelligente Zähler liefern sowohl Verbraucher:innen als auch Energieversorgern Echtzeit-Verbrauchsdaten und ermöglichen so dynamische Preisgestaltung und personalisierte Energiesparempfehlungen. Verbraucher:innen sind so in voller Kontrolle ihres Verbrauchs und letzten Endes auch ihrer Abrechnung.

  • Intelligente Netze oder sogenannte Smart Grids steuern Energieversorgungsnetze digital durch Sensoren, Automatisierung und Datenanalyse, um eine effiziente, zuverlässige und nachhaltige Stromverteilung zu ermöglichen. Intuitive Schnittstellen für Verbraucher:innen, Netzbetreiber und Energieanbieter helfen, den Energiefluss zu optimieren, erneuerbare Energien zu integrieren und Netzprobleme zu reduzieren. UX Design spielt also eine wesentliche Rolle in der flexiblen Steuerung von Erzeugung und Verbrauch.

Herausforderungen: Obwohl diese Technologien die Effizienz verbessern, haben viele Verbraucher:innen Schwierigkeiten mit komplexen Schnittstellen und der Interpretation von Daten. Hier kann effektives UX Design helfen: intuitiv gestaltete digitale Lösungen ermöglichen den Zugang zu wichtigen Daten, während leicht verständliche Visualisierungen die Interpretation der Daten erleichtern. Zudem ist es unerlässlich, diese Lösungen möglichst barrierearm zu gestalten, damit auch Menschen mit Behinderungen oder vorübergehenden Einschränkungen diese nutzen können.

Eine Frau lehnt sich an ein Auto zur linken Seite des Bildes und fotografiert Windräder vor einem blauen Himmel. Ein weißer Hund steht neben ihr.
Nachhaltige Energie mit Windkraftanlagen

3. Dezentralisierung der Energiesysteme

Die Energielandschaft wandelt sich rapide von zentralen Kraftwerken zu dezentralen Energienetzen, in denen Haushalte, Unternehmen und Gemeinden ihre eigene Energie durch Solarmodule, Windturbinen und Batteriespeicher erzeugen. Unsere Kunden Maingau und Yippie haben dies bereits als Chance für sich entdeckt. Neben grünen Energie- und Gasversorgungsverträgen bieten ihre Onlineshops Kunden auch die Möglichkeit, Balkonkraftwerke, Solaranlagen u. ä. für den Eigenbedarf zu erwerben.

  • Der Peer-to-Peer (P2P)-Energiehandel ermöglicht es Verbraucher:innen, überschüssige Energie an das Netz oder direkt an andere Nutzende zu verkaufen.

  • Mikronetze gewinnen an Bedeutung, da sie lokale Energieresilienz ermöglichen und die Abhängigkeit von großflächiger Infrastruktur verringern.

Die Herausforderung besteht hier in der Verwaltung dezentraler Netze. Diese erfordert nahtlose digitale Plattformen, die Echtzeit-Einblicke, einfach zu bedienende Schnittstellen und Automatisierung zur Abwicklung von Transaktionen, Energieflüssen und Netzstabilität bieten. Mit verschiedenen Bausteinen und einigen dynamischen Komponenten setzt hier eine DXP (Digital Experience Platform) perfekt an, denn sie kann Netzbetreiber, Energieanbieter, bis hin zu den Kunden in einer einheitlichen, intuitiven Umgebung vernetzen. Sie ermöglicht eine transparente Abwicklung von Transaktionen, optimiert den Energieaustausch und bietet personalisierte Einblicke in Verbrauch und Einspeisung. Durch die Integration von Automatisierung, KI-gestützter Vorhersage und nutzerfreundlichen Dashboards schafft sie Vertrauen, erhöht die Akzeptanz und verbessert die Effizienz des dezentralen Energiemarkts.

Wichtige Stakeholder und ihre Chancen und Bedürfnisse

1. Energieversorger

Versorgungsunternehmen müssen die Energieerzeugung mit der Nachfrage in Einklang bringen und gleichzeitig erneuerbare Quellen integrieren. Auf der anderen Seite erwarten Kunden neben einem ganzheitlichen Serviceangebot übersichtliche Tarife und Flexibilität. Nie war es einfacher, den Anbieter zu wechseln - somit wird eine nahtlose Nutzererfahrung zum wichtigsten Instrument, um Kunden zu binden. Weitere Bedürfnisse sind:

  • Detaillierte Verbrauchsanalysen zur Optimierung der Verteilung und zur Vermeidung von Netzüberlastung.

  • KI-gestützte Prognosen für das Wetter und Nachfrageverhalten für eine intelligentere Energiezuordnung.

  • Instrumente zur Einbindung der Nutzer:innen, um energiesparendes Verhalten bei den Kunden zu fördern sowie Anreize zu schaffen, die Stromnachfrage von teuren Stunden, in denen Stromknappheit herrscht, in günstige Stunden zu verlegen.

Schwachstellen: Ohne eine klare visuelle Darstellung von Daten und vorausschauende Analysen riskieren Energieversorger Ineffizienzen und Unzufriedenheit auf Kundenseite.

2. Hersteller und Technologieanbieter

Um die Energiewende zu unterstützen, müssen Hersteller Lösungen liefern, die eine nahtlose Interoperabilität über verschiedene Plattformen hinweg gewährleisten. Ihre größten Herausforderungen sind unter anderem: 

  • Standardisierte Kommunikationsprotokolle, die die Kompatibilität zwischen verschiedenen intelligenten Systemen wie Zählern, Netzen und Hausautomationssystemen ermöglichen.

  • Skalierbare und modulare Technologie, die sich an sich ändernde Vorschriften und Marktanforderungen anpassen kann.

  • Benutzerfreundliche Schnittstellen für Installateur:innen und Techniker:innen, die die Lernkurve für die Systemimplementierung verkürzen.

Schwachstellen: Ein fragmentiertes Ökosystem von proprietären Technologien erschwert die Integration und erfordert bessere UX-Strategien, um Plattformen zu vereinheitlichen und die Benutzerakzeptanz zu verbessern.

Mensch-zentriertes UX Design setzt genau an diesen Schwachstellen an: Es wird ganz auf die Bedürfnisse der Nutzenden zugeschnitten entwickelt und überbrückt somit das fragmentierte Ökosystem. Kunden wie KNX , die Stadtwerke Düsseldorf und BSH Hausgeräte setzen schon seit Jahren auf unsere Erfahrung.

Eine Frau liegt gemütlich auf dem Sofa mit einem Tablet, während sie ihren Hund streichelt
Energiemanagement vom Sofa aus

3. Verbraucher:innen

Endverbraucher:innen werden zunehmend proaktiver bei der Steuerung ihres Energieverbrauchs. Sie suchen nach Anbietern, die ihnen Echtzeitdaten zur Verfügung stellen. In Kombination mit dynamischen Preismodellen und transparenten Abrechnungssystemen können Kunden ihren Verbrauch optimieren und haben die Kosten klar im Griff. 

Schwachstellen: Verbraucher:innen sind oft mit übermäßig komplexen Dashboards, intransparenten Verbräuchen (und Kosten) und mangelnder Klarheit bei den Energietarifen konfrontiert, was zu Frustration und geringeren Akzeptanzraten führen kann. 

Eine Digital Experience Platform (DXP) kann hier helfen, indem sie eine zentralisierte, personalisierte und benutzerfreundliche digitale Umgebung schafft, die komplexe Energieinformationen verständlich und passgenau zugänglich macht.

  • Personalisierte Dashboards fassen Daten übersichtlich zusammen und visualisieren diese so, dass Verbraucher:innen nur die für sie relevanten Informationen sehen (z. B. Echtzeit-Verbrauch, Einsparpotenziale oder Tarife).

  • In eine DXP integrierte, KI-gestützte Empfehlungen bieten Tariftransparenz und Vergleiche, somit werden Preismodelle verständlicher. 

  • Omni-Channel-Experience → Ob Web, App oder Smart Home-Integration – ein Energieversorger, der seine Services über eine DXP anbietet, sorgt für ein nahtloses Erlebnis über verschiedene Endgeräte hinweg.

  • Interaktive Nutzerführung und Gamification → Intelligente Assistenten, Tipps zur Energieeinsparung und spielerische Anreize können die Nutzer:innen motivieren, ihren Energieverbrauch bewusster zu steuern.

  • Community und Support → Durch Foren, FAQ oder 24/7 verfügbare smarte Chatbots bietet eine DXP Unterstützung, wenn Fragen zu Tarifen, Netzen oder Smart Home-Integration auftreten.

  • Verständnis und Bewusstsein -> UX Design schafft Verständnis und fördert das Bewusstsein und die Akzeptanz für nachhaltige Energielösungen.

Kurz gesagt: Eine DXP macht komplexe Energieversorgung verständlich, verbessert die Nutzererfahrung und Loyalität, während gleichzeitig die Akzeptanz für digitale Energiemanagementlösungen für Endnutzer:innen gesteigert wird.

Fazit:

Ein mensch-zentrierter und ganzheitlicher Ansatz, der das gesamte Ökosystem mit allen Stakeholdern und Bedürfnissen mit einbezieht, ist für eine erfolgreiche Energiewende essenziell. UX Design kann durch die Entwicklung intuitiver und zugänglicher Lösungen an vielen Stellen helfen, Energieversorger können ihre Services effizienter anbieten, Nutzende und Kunden erlangen mehr Tranzparenz und Kontrolle im Management des Verbrauchs. Somit wird auch die nachhaltige Nutzung von Energie erleichtert. Dieser mensch-zentrierte Ansatz ist entscheidend für das Erreichen von Klimaneutralität und Nachhaltigkeitszielen.

Ergosign unterstützt Energie-Dienstleister, -Versorger und Stadtwerke 

Ergosign hilft Energieversorgern, ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen mensch-zentriert zu gestalten – von benutzerfreundlichen Kundenportalen bis hin zu intuitiven Steuerungssystemen für das Netzmanagement. Unser interdisziplinäres Team aus UX Designern, Developern und CX-Strategen begleitet Sie von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Lassen Sie uns gemeinsam die digitale Energiewelt von morgen gestalten!